Bereits leicht erhöhter Blutdruck vor der Schwangerschaft kann die Erfolgschancen nach künstlicher Befruchtung senken – neue Studien aus China zeigen, wie lohnenswert Blutdrucknormalisierung vor Kinderwunsch ist.
Eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2024, durchgeführt am Reproductive and Genetic Hospital of CITIC-Xiangya in Changsha, China, legt dar: Frauen mit leicht erhöhtem Blutdruck vor Beginn einer Kinderwunschbehandlung haben geringere Chancen, ein gesundes Baby zur Welt zu bringen. Dabei geht es nicht um klassischen Bluthochdruck, sondern um Werte, die noch im oberen Bereich des Normalen liegen – oft als „hochnormal“ bezeichnet.
Die Forscherinnen und Forscher untersuchten über 1.000 Frauen, die sich einer künstlichen Befruchtung unterzogen – also einer Behandlung, bei der ein Embryo außerhalb des Körpers entsteht und später in die Gebärmutter eingesetzt wird. Das Ergebnis: Je höher der sogenannte obere Blutdruckwert (der sogenannte systolische Wert) vor der Schwangerschaft lag, desto seltener kam es zu einer erfolgreichen Geburt.
Doch nicht nur die Erfolgschancen der Behandlung waren betroffen. Frauen mit hochnormalem Blutdruck hatten auch ein erhöhtes Risiko für Komplikationen während der Schwangerschaft. Dazu zählen:
- Fehlgeburten in den ersten Monaten
- Schwangerschaftsdiabetes (mit potentiellen Folgen für die Schwangerschaft und darüber hinaus)
- Schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck und blutdruckassoziierte Folgeerkrankungen wie Präeklampsie, der sowohl für die Mutter als auch für das ungeborene Kind gefährlich werden kann
Eine weitere Studie aus Peking, ebenfalls aus dem Jahr 2024, bestätigt diese Ergebnisse. Auch dort zeigte sich, dass Frauen mit leicht erhöhtem Blutdruck häufiger unter Schwangerschaftskomplikationen litten und seltener ein gesundes Kind zur Welt brachten.
Was bedeutet das für die Praxis? Die Studien legen nahe, dass der Blutdruck bereits vor Beginn einer Kinderwunschbehandlung kontrolliert und gegebenenfalls behandelt werden sollte – auch wenn er noch nicht als krankhaft gilt. Eine gute Vorbereitung auf die Schwangerschaft beginnt also nicht erst mit dem Embryotransfer, sondern schon davor.
Für viele Paare mit Kinderwunsch ist das eine wichtige Information: Ein scheinbar unauffälliger Gesundheitswert kann entscheidenden Einfluss auf den Verlauf der Behandlung und die Schwangerschaft haben. Die gute Nachricht: Blutdruck lässt sich oft gut regulieren – durch Lebensstil, Ernährung oder gegebenenfalls Medikamente. Die Studien liefern damit einen konkreten Ansatzpunkt, um die Erfolgschancen zu verbessern und Risiken zu minimieren.
Quellen:
- Ma S et al., Inverse association of pre-pregnancy Systolic Blood Pressure and Live Birth Rate in normotensive women undergoing IVF/ICSI, Fertility and Sterility, 2024. DOI: 10.1016/j.fertnstert.2024.05.150, PDF: IMD Berlin
- Chen S et al., Pregnancy Outcomes in Females with Stage 1 Hypertension and Elevated Blood Pressure Undergoing In Vitro Fertilization and Embryo Transfer, Journal of Clinical Medicine, 2024. DOI: 10.3390/jcm12010121
- UCHealth, Study investigates IVF link to high blood pressure, 2024: UCHealth Today




