Liebe Patientinnen und Patienten,
wiederholte Fehlgeburten sind eine sehr belastende Erfahrung – körperlich und emotional. Viele Betroffene fragen sich: Warum passiert das? Was können wir untersuchen? Und was können wir beim nächsten Versuch unterstützen?
Die neue deutsche Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung bei wiederholten Fehlgeburten gibt hierzu wichtige Orientierung. Für uns bei Bestfertility ist dabei entscheidend: Jede Geschichte ist individuell. Deshalb verbinden wir moderne Diagnostik mit persönlicher, verständlicher und sorgfältig auf Ihre Situation abgestimmter Beratung.
Eine Abklärung ist oft schon nach zwei Fehlgeburten sinnvoll
Früher wurde häufig erst nach drei Fehlgeburten ausführlicher untersucht. Die aktuelle Leitlinie unterstützt eine strukturierte Abklärung bereits nach zwei Fehlgeburten – insbesondere dann, wenn Sie Klarheit wünschen oder weitere Risikofaktoren bestehen.
Dabei betrachten wir nicht nur eine mögliche Ursache, sondern Ihre gesamte persönliche Situation: Ihr Alter, den bisherigen Schwangerschaftsverlauf, mögliche Vorerkrankungen und bei Bedarf auch Faktoren aufseiten des Partners.
Was wird untersucht?
Je nach individueller Vorgeschichte können folgende Untersuchungen sinnvoll sein:
- Genetische Untersuchung des Schwangerschaftsgewebes: Häufig entstehen Fehlgeburten durch zufällige Veränderungen der Chromosomen. Eine Untersuchung kann helfen, die Ursache besser einzuordnen und die Aussichten für eine weitere Schwangerschaft realistisch zu besprechen.
- Untersuchung der Gebärmutter: Mit modernen Ultraschallverfahren, bei Bedarf auch einer Gebärmutterspiegelung, lassen sich zum Beispiel Fehlbildungen, Verwachsungen, Polypen oder Myome erkennen.
- Hormon- und Stoffwechselwerte: Dazu gehören insbesondere die Schilddrüsenfunktion und – falls passend – weitere hormonelle oder metabolische Faktoren, etwa bei einem PCO-Syndrom.
- Gerinnungsdiagnostik: Wichtig ist vor allem die gezielte Abklärung eines sogenannten Antiphospholipid-Syndroms (APS). Diese seltene Autoimmunerkrankung kann die Wahrscheinlichkeit für Fehlgeburten erhöhen und lässt sich gezielt behandeln.
- Untersuchung des Partners: Neben der klassischen Samenanalyse kann in ausgewählten Situationen auch die Untersuchung der Spermien-DNA sinnvoll sein.
Nicht jede Untersuchung ist für jedes Paar notwendig. Unser Ziel ist eine Diagnostik, die Ihnen wirklich weiterhilft – und eine Behandlung, die zu Ihrer persönlichen Situation passt.
Welche Behandlungen können helfen?
Wenn wir eine Ursache finden, richten wir die Behandlung gezielt danach aus.
Bei einem Antiphospholipid-Syndrom kann beispielsweise eine Kombination aus niedrig dosierter Acetylsalicylsäure und Heparin die Chancen auf einen erfolgreichen Schwangerschaftsverlauf verbessern.
Bei bestimmten Gebärmutterbefunden, etwa einem in die Gebärmutterhöhle ragenden Myom, kann eine operative Behandlung sinnvoll sein. Bei einem Gebärmutterseptum muss dagegen individuell und sorgfältig abgewogen werden: Ein klarer Vorteil einer Operation für die Lebendgeburtenrate ist wissenschaftlich bislang nicht sicher nachgewiesen.
Auch Progesteron kann eine Rolle spielen: Bei wiederholten Fehlgeburten kann es im ersten Schwangerschaftsdrittel eingesetzt werden. Treten in einer frühen Schwangerschaft Blutungen auf, empfiehlt die Leitlinie vaginales natürliches Progesteron bis zur 16. Schwangerschaftswoche.
Evidenzbasierte Medizin – und individuelle Entscheidungen
Die Leitlinie zeigt auch: Für manche Behandlungen bei ungeklärten Fehlgeburten liegt bislang keine gesicherte wissenschaftliche Evidenz vor. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass eine solche Maßnahme im Einzelfall ausgeschlossen ist.
Manche unterstützenden oder empirischen Behandlungen können nach sorgfältiger individueller Abwägung in Betracht kommen – insbesondere, wenn sie voraussichtlich gut verträglich sind und keine relevanten Risiken erwarten lassen. Entscheidend ist dabei eine offene und transparente Beratung:
- Welche Daten gibt es zu einer Behandlung?
- Was wissen wir noch nicht?
- Welche möglichen Nebenwirkungen oder Belastungen sind zu berücksichtigen?
- Welche Alternativen bestehen?
- Welche Behandlung passt zu Ihren persönlichen Wünschen und Ihrer Vorgeschichte?
Gemeinsam entscheiden wir, welcher Weg für Sie medizinisch sinnvoll und persönlich stimmig ist. Unser Anspruch ist es, keine falschen Versprechen zu machen – aber zugleich individuelle Möglichkeiten nicht vorschnell auszuschließen.
Was Sie selbst tun können
Ein gesunder Lebensstil kann die Chancen auf eine Schwangerschaft unterstützen. Wir empfehlen bei Kinderwunsch:
- nicht zu rauchen und auf Alkohol zu verzichten,
- ein gesundes Körpergewicht anzustreben,
- bei anhaltender psychischer Belastung Unterstützung anzunehmen.
Eine Fehlgeburt ist nie „selbst verschuldet“. Dennoch dürfen Sie sich Hilfe holen – medizinisch und emotional. Gerade nach wiederholten Verlusten ist eine einfühlsame Begleitung besonders wichtig.
Sie sind nicht allein
Auch wenn nach wiederholten Fehlgeburten nicht immer eine eindeutige Ursache gefunden wird, bestehen häufig weiterhin gute Chancen auf eine erfolgreiche Schwangerschaft. In einem persönlichen Gespräch nehmen wir uns Zeit, Ihre Vorgeschichte gemeinsam einzuordnen, sinnvolle nächste Schritte zu planen und Ihre Fragen offen zu beantworten.
Bei Bestfertility verbinden wir moderne Reproduktionsmedizin mit persönlicher Betreuung – transparent, individuell und mit viel Einfühlungsvermögen.
Herzliche Grüße
Ihr Team von Bestfertility
